Mach nicht diesen Fehler mit deinem ängstlichen Hund!

14.05.2017

Einer der häufigsten und größten Fehler, den Menschen im Umgang mit ängstlichen Hunden machen, ist die Methode "Da muss er durch!". Der Hund wird dabei direkt zu einem für ihn unangenehmen Reiz (fremder Mensch, Hund, Gegenstand, Geräusch, usw.) geführt, damit er sich daran gewöhnt und der Besitzer ihm zeigen kann, dass es keinen Grund für die Aufregung gibt.
In der Regel führt diese Art und Weise zu einem rücksichtslosen Besitzer, der seinen Hund häufig mit Situationen und Reizen konfrontiert, die ihn immens ängstigen oder gar in Panik versetzen. Viele Hundehalter sind einfach der gutgläubigen Hoffnung, dass der Hund mittels Gewöhnung seine Angst verliert. "So macht man das mit einem Hund, das habe ich so gehört / gelesen."

 

Man nennt diese Methode "Flooding" auf Deutsch mal salopp ausgedrückt "Überschwemmung" und erreicht sehr selten das gewünschte Ziel: Gelassenheit und Entspannung. Die vielgepredigte Gewöhnung bei Hunden ist jedoch nur die eine Seite der Lern-Medaille, dies wird gerne vergessen oder weiß man eben gar nicht!

 

Doch zeigt ein Hund bereits beim ersten Kontakt mit dem Reiz, sei es dass er ihn sieht, riecht oder hört, eine deutliche emotionale Reaktion, wird das Prinzip der Gewöhnung eben nicht greifen, sondern die sog. Sensitivierung! Dies bedeutet, dass der Hund immer schneller und stärker auf diesen und andere Reiz reagieren wird. Seine Angst wird größer und zieht auch noch Kreise! Diese Sensibilisierung erhöht das generelle Erregungsniveau des Hundes und er ist ständig in Habachtstellung. Auch die Bereitschaft auf Reize eine verstärkte Reaktion zu zeigen erhöht sich dadurch ganz unweigerlich. Der Hund wird also immer reaktiver auf seine Umwelt und zeigt eine erhöhte Angriffs- und Verteidigungsbereitschaft. Und dies ist doch eigentlich gar nicht gewollt und vom Hund schon gar nicht!

Der Hund ist und bleibt also dabei der Leidtragende. Durch das vermeintliche Gelassenheits-Training souveräner Hundeführer verschlimmert sich meist die Situation des Hundes nachhaltig. Das Vertrauen und Sicherheitsgefühl wird nachhaltig gestört. Die Hunde erleben immer wieder, dass ihre Menschen sie in bedrohliche und unangenehme Situationen zwingen und somit in Gefahr bringen. Zeigt der Hund Meideverhalten und versucht der Situation zu entkommen, wird der Hund dann auch noch „korrigiert“. Aus der Sicht des Hundes ist es nun ein regelrechter Kampf ums Überleben!

Daher solltest du solche Methoden unbedingt unterlassen um das Vertrauen deines Hundes nicht zu verlieren, er wird es dir danken! Für unsere Hunde sollten wir uns lieber als Fremden-Führer sehen, der wie Menschen in einer fremden Stadt alles zeigt und erklärt. Hilf deinem Hund sich eurem Alltag zurecht zu finden, schaffe gewohnte Rituale, sei vorausschauend mit ihm unterwegs und trainiere ihn fair. Man bringt seinen Begleiter nicht in Gefahr und setzt ihn nicht dem damit verbundenen Stress einer Reiz-Überschwemmung aus. Zeige deinem Schützling, dass ruhig und gelassen bleiben sich lohnt und sich dafür die Bedrohung sofort auflöst. Dies wird deinem Hund helfen und ihr lauft nicht Gefahr, dass eine Sensibilisierung auf Reize im Laufe der Zeit stattfindet.

 

Als Faust-Regel gilt daher: Wenn es um Angst bei Hunden geht, ist Abstand angesagt! Ein Hund oder auch Mensch, der auf der anderen Straßenseite läuft, ist viel weniger beängstigend und bedrohend für deinen Hund, als einer, der direkt auf euch zukommt. Spätestens beim Erblicken des Angstauslösers beginnt das Training, mit ausreichend Abstand, und das Auflösen der Situation wird als Verstärker eingesetzt. Erwartungssicherheit ist ebenfalls oberstes Gebot. Kündige deinem Hund deine Handlungen und Abläufe an, so weiß er was auf ihn zukommt und du vermeidest Schreckmomente für ihn. Und ein verknüpftes Entspannungssignal als Wort und Duft ist dabei eine enorm große Hilfe. Denn die Entspannung wirkt genau dort, wo sie entsteht - im Gehirn des Hundes. Dies und mehr musst du in einem sinnvollen Gelassenheits-Training anwenden, dies schafft nachhaltiges Vertrauen und gibt deinem Hund Sicherheit!

 


Wir berichten euch mehr über das Bewältigungstraining mit ängstlichen als auch reaktiven Hunden. Erfahrt mehr über die Gründe und die Zusammenhänge von Angst und Aggression und welche Störungen als auch Reaktionen sollten unbedingt vermieden werden. Welche Veränderungen der Lebensbedingungen sinnvoll sind und eine Rehabilitation eines verängstigten Hundes erleichtern. Wir geben euch auch einen grundlegenden Leitfaden über die Schritte, die zur Überwindung der Reaktivität erforderlich sind.

Wenn du einen reaktiven oder ängstlichen Hund hast, empfehlen wir dir einen professionellen, mit positiver Verstärkung arbeitenden Trainer zu Rate zu ziehen. Es gibt so viele Variablen, die zu beachten sind, wenn man mit Angst-Hunden arbeitet und so viele mögliche Fehler. Ein guter Trainer ist in der Lage, dich und deinen Hund durch den Trainingsprozess zu begleiten und euch die besten Erfolgschancen zu ermöglichen.


Dieser Beitrag darf gerne geteilt werden, damit deine Hundefreunde mehr über dieses Thema und den richtigen Umgang mit ihrem Hund erfahren. Hilf uns dabei!

 

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