Achtung Belohnung?!

08.05.2017

Wenn das Wort Belohnung fällt, haben die allermeisten den direkten Gedanken an Futter bzw. Leckerchen. Und hierin steckt bereits ganz häufig das Problem! Denn wenn von einer allgemeinen Belohnung die Rede ist, muss nicht immer ein Leckerchen zum Einsatz kommen. Es gibt eine ganze Palette an Belohnungsmöglichkeiten und diese sollten auch eingesetzt werden, um die Abwechslung und Überraschung dabei für deinen Hund zu erhalten.

 

Was den meisten leider ebenfalls gar nicht bewusst ist, dass nicht jede gedachte Belohnung auch tatsächlich das Verhalten des Hundes verstärkt, also dieses dadurch z.B. häufiger gezeigt wird. Die verstärkende Wirkung ist individuell abhängig von der aktuellen Bedürfnislage des Hundes in der jeweiligen Situation. Sinnvoll ist es zu versuchen, die Motivation die dahinter steckt zu ergründen, das Warum. Ganz besonders wichtig ist dies im ersten Lebensjahr zu beachten. Denn gerade im Laufe des Heranwachsens verändern sich die Interessen und Bedürfnisse, bedenkt man z.B. die Geschlechtsreife sowie das Jagdverhalten.

Generell solltest du dich daher nicht damit zufrieden geben, sehr häufig mit Futter deinen Hund zu belohnen. Denn Verstärkung ist kein Ereignis, Verstärkung ist ein Prozess (Bob Bailey). Und Prozesse sind formbar! Daher ist es eine gute Idee, sich die eigene bisherige Praxis des Belohnens genauer anzusehen.

 

Über die Bedürfnisse des Hundes sind Motivation und Belohnung miteinander direkt verbunden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du dich intensiv mit den Bedürfnissen deiness individuellen Hundes beschäftigst. Denn Hund ist nicht gleich Hund und auch innerhalb einer Rasse gibt es natürlich erhebliche Unterschiede. Setz also die Rassebrille ab und beobachte deinen einmaligen Hund einmal ganz genau:

 

Alle Tiere müssen essen und der Nahrungserwerb macht den größten Teil des Verhaltensprogramms eines Hundes aus. Futter sollte er also zu einem großen Teil aktiv erwerben können. Doch Futter kann eben nicht ohne Bedenken in jeder Lebenssituation als Primärverstärker immer eingesetzt werden. Es gibt einige Grenzen und Einschränkungen, die du beachten solltest:

 

- Ein hohes Erregungsniveau und Stress hemmen die Nahrungsaufnahme und Verdauung deines Hundes. Selbst wenn ein stark erregter und gestresster Hund das Futter noch aufnehmen kann, wird es nicht angemessen verdaut werden. Denn Essen ist nicht immer wichtig im Leben. Futter wird dann zu einem schwachen Verstärker, wenn sich der Hund in einer anderen Motivationslage befindet. Ein jagdlich ambitionierter Hund hetzt nicht dem Hasen hinterher, weil er gerade Hunger hat, sondern weil es ihm Spaß macht und einen Adrenalin-Kick gibt. Somit ist das Hetzen als Handlung selbstbelohnend für den Hund, denn es ist ein angeborenes Verhaltensmuster.

 

- Die Einsatzmöglichkeiten von Futter im Training sind ebenso begrenzt durch die Größe des Hundes und seines Magens. Ganz grob kannst du dich an dieser Faustegel orientieren: Der Magen eines Hundes ist so groß, wie sein Schädel. Größer sollte die Futterration für eine Trainingseinheit auch definitiv nicht sein. Danach braucht der Hund Zeit und Ruhe für die Verdauung.

 

- Zuletzt muss Futter auch aufbewahrt werden und dein Hund erkennt deine Leckerchentasche oder Trainingsweste. Für ihn ist es das klare als Zeichen dafür, dass Futter als Belohnung verfügbar ist. Dadurch kommt es zu einer eingeschränkten Signalkontrolle erlernter Verhaltensreaktionen: Ein Hund reagiert zuverlässiger auf ein Signal, wenn er die Verfügbarkeit von Belohnung erkennen kann. Hat man nichts dabei, zeigt der Hund das gewünschte Verhalten nicht mehr. Daher achte darauf, solche Signale nicht unbewusst im Training mit aufzubauen. Hier kann dir unser Trainings-Spiel "Die Schatzkammer" eine hilfreiche Übung genau dafür sein.

 

 

Noch ein kleiner Tipp

Verstärker, die wir neben Futter gut kontrollieren können, sind vor allem die sozialen Verstärker. Die Kommunikation deines Körpers spielt dabei eine große Rolle. So kann eine bedrohliche Körperhaltung die verstärkende Wirkung eines Leckerchens oder einer Spielaufforderung deutlich abschwächen. Also achte auf eine gerade und freundliche Körperhaltung deinem Hund gegenüber, gerade beim Belohnen. Und das obligatorische Tätscheln des Hundes am Kopf ist bei Ihnen so gar nicht beliebt. Beobachte deinen Hund und du wirst es erkennen!

 

Und noch ein wichtiger Punkt sind Handlungen eines Hundes, die selbstbelohnend sind wie zum Beispiel schnüffeln, etwas beobachten, buddeln, wälzen, hetzen und vieles mehr. Diese Verhaltensweisen können ebenfalls als Verstärker (sog. funktionale Verstärker) verwendet werden und finden bei uns Anwendung im Alltagstraining sowie der Verhaltenstherapie. Diese Verhaltensweisen sind in der Regel die beste Wahl an Verstärker für deinen Hund, landen häufig auf Platz 1 der Belohnungsliste und schaffen so effektive Erfolge. Und das Beste ist, dass du sie dir nicht in die Taschen stecken musst ;-)

 

 

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