Spielen(d) trainieren

18.11.2016

Spielen ist das „Klassenzimmer der Natur", in dem lebenswichtige Fähigkeiten und Verhaltensweisen erlernt werden: Überlebens- und Jagdtechniken werden entwickelt, die geistigen Fähigkeiten erweitert, das Körpergefühl geschult und die Kooperation mit dem Spielpartner durch die gemeinsamen Erfolgserlebnisse intensiviert.

 

Hunde üben und vervollständigen immer wieder ihre körperlichen Fertigkeiten, verbessern ihr Reaktionsvermögen, erlernen die eigene Aggression und die Beißintensität zu kontrollieren und steigern die Flexibilität ihres Verhaltensrepertoires. Zudem unterstützt Spielen den Aufbau und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, ermöglicht die Stabilisation der sozialen Rangordnung und die Entwicklung sozialer Rollen.

 

Spielerische Verhaltenselemente treten in der Regel in entspannter Atmosphäre auf, werden vielfach sehr übertrieben gezeigt und erscheinen als Verhalten ohne ernsthaften Realitätsbezug. Erwachsene Tiere setzen diese Elemente auch als Strategie zum Austragen von Konflikten ein und bauen somit den gegenwärtigen Stress ab.

 

Ein andauernder Stresszustand jedoch wie z.B. Angst, Bedrohung oder Schmerz führt zu einer Erhöhung der sog. „Stresshormone" im Blut und diese hemmen das Erkundungs- und Spielverhalten.

 

Man unterscheidet folgende Spielformen:

 

- Solitärspiele: Das Individuum spielt mit sich selbst ohne einen Partner, erfährt seinen Körper, tobt sich in übermütigen Bewegungen aus und erkundet seine Umgebung.

 

- Objektspiele: Hierbei beschäftigt sich ein Individuum selbst mit einem Gegenstand in irgendeiner Form.

 

- Sozialspiele: Es spielen zwei oder mehr Individuen direkt miteinander, so dass sich z.B. Lauf-, Kampf- oder Jagdspiele ergeben. Die Abfolge der Spielvarianten wechselt rasch, die Rollen werden immer wieder getauscht, alle Bewegungen und Abwechslungen gehen nahtlos ineinander über.

 

Im Sozialspiel kommt es zu ganz spezifischen Ausdruckselementen, den sog. „Spielsignalen" oder „Spielzeichen" sowie dem „Spielgesicht" bei Hunden. Sie dienen der Ankündigung, Aufforderung und dem Erhalt des Spiels und signalisieren dem Partner, dass die Aktion nicht ernst gemeint ist. Das Spielgesicht und auch andere Spielsignale werden gezeigt, um Missverständnisse zu vermeiden. Die verschiedensten Gesichtsausdrücke wie z.B. das weite Maulaufreißen und das Zähne blecken werden in übertriebener Form gezeigt, zugebissen wird aber nicht, die Endhandlung fehlt dabei. Spielgesichter sind oft mehrfach hintereinander zu sehen und werden immer wieder in einer stereotypen Form wiederholt. Der Blick ist dabei oft nicht auf ein Ziel oder den Spielpartner gerichtet und es kommt in auffällig hoher Geschwindigkeit zu Ausdrucksänderungen.

 

Je älter der Hund ist, umso differenzierter wird seine Mimik. Plötzlich auftretende Bewegungselemente, wie die Vorderkörpertiefstellung, auch als Spielbogen bezeichnet, haben in diesem Kontext einen starken Aufforderungscharakter und soll das Gegenüber zu weiteren Spielhandlungen animieren.

 

Spielverhalten zeigen Tierarten, die höher entwickelt sind wie z.B. viele Säugetiere und einige wenige Vogelarten. Bei Hunden gibt es ein reiches Repertoire angeborener Spielformen, sowie bei uns Menschen. Beide behalten ihre Spiellust bis ins Erwachsenenalter und dies ist ein wichtiger Teil der speziellen Beziehung zwischen Hund und Mensch. Spielen ist also ein effektiver und fröhlicher Weg, die Beziehung zu seinem Hund intensiv zu stärken.

 

Lernspiele sollen allen Beteiligten jederzeit Spaß machen und zugleich eine Herausforderung sein, um typgerecht zu beschäftigen, einen spannenden Anreiz bieten um gemeinsam aktiv zu sein. Bedenken wir, dass viele Hunderassen für bestimmte Aufgaben gezüchtet wurden und somit unterschiedliche Verhaltensmuster genetisch verankert sind, so haben wir die Möglichkeit Hunde durch richtiges spielen nicht nur körperlich sondern auch geistig auszulasten. Die richtige Balance zwischen mentalen und körperlichen Aufgaben für seinen Hund zu finden, hängt davon ab, wie gut man seine Bedürfnisse einschätzen kann, um einen glücklichen und ausgeglichenen Hund im Alltag als Begleiter zu haben.

 

Hunde entwickeln bei gut strukturierten Lernspielen die Konzentrationsfähigkeit, Konzepte und komplexes Denken, Kreativität, Problemlösungs- und Anpassungsfähigkeiten sowie Selbstvertrauen. All diese Elemente sollten möglichst in spielerischen Trainingseinheiten enthalten sein, um die Lust am Lernen zu behalten. Dabei entsteht eine Verbindung zwischen Hund und Mensch, so dass sie ein eingespieltes Team im Alltag werden.

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